Digitalisierung geht alle an Aufklärungsarbeit als ­unabdingbare ­Voraussetzung ­erfolgreicher digitaler ­Transformation

Will man sich im Internet durch Eingabe des Suchbegriffs „Digitale Transformation“ über das Thema informieren, so erhält man aktuell 12,4 Millionen Ergebnisse. Gibt man z. B. „Industrie 4.0“ ein, sind es gar 18,5 Millionen. Selbst wenn man unterstellt, dass einige dieser Ergebnisse letztendlich auf die gleiche Fundstelle verweisen, und man natürlich die beiden Suchergebnisse nicht additiv werten darf, so erklärt sich hieraus nur unzulänglich, weshalb zu diesem Themenkreis weitere Aufklärungsarbeit notwendig erscheint.

Dass der Titel dieses Beitrags dennoch seine Berechtigung hat, wird deutlicher, wenn man z. B. das Ergebnis einer Umfrage der Bitkom Research vom Frühjahr 2016 zur Digitalisierung zu Rate zieht. So gehen etwa 64 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass sich durch Digitalisierung ihr Geschäftsmodell verändert, wobei sich lediglich 27 Prozent als Vorreiter einer derartigen Digitalisierung sehen. 59 Prozent sehen sich eher als Nachzügler und 7 Prozent antworten selbstkritisch, sie hätten den Anschluss an die Digitalisierung verpasst. Für 72 Prozent der befragten Unternehmen liegt in der Digitalisierung des eigenen Unternehmens die zweitwichtigste Herausforderung nach der Fachkräftesicherung.

Keiner entkommt der Digitalisierung

Damit ist längst klar, dass der Begriff „Industrie 4.0“, der stellvertretend für die Digitalisierungseffekte im Bereich der Industrie und der industrienahen Dienstleistungen verwendet wurde, gerade eben nicht bedeutet, dass sich digitale Transformation nur im industrienahen Bereich abspielen wird. Je häufiger digitale Plattformen aus bisherigen Wertschöpfungsketten neuartige Wertschöpfungsnetze bilden, umso mehr werden Unternehmen aller Größen und Branchen, egal ob Industrie, Handwerk oder Freie Berufe, von den unterschiedlichen Facetten der Digitalisierung erfasst werden.

Damit kommt dem Aufbau von Digitalkompetenz bei Mitarbeitern eine erhebliche Bedeutung zu. Bereits jetzt beklagen Unternehmen unterschiedlichster Branchen, dass sie Probleme haben, ausreichend IT-Fachkräfte zu finden. In einer internationalen Vergleichsstudie, in der computer- und informationsbezogene Kompetenzen von zwölf- und dreizehnjährigen Schülerinnen und Schülern aus weltweit 21 Bildungssystemen miteinander verglichen wurden, belegten deutsche Teilnehmer lediglich einen Mittelplatz. Der Aufbau von Digitalkompetenz ist mithin nicht nur die Aufgabe jener Unternehmen, die unmittelbar vor digitalen Herausforderungen stehen. Sie ist vielmehr eine Gemeinschaftsaufgabe von Staat, Unternehmen und individuellen Nutzern.

Prof. Dieter Kempf war langjähriger ­Vorstandsvorsitzender von DsiN, Präsident des ­Branchenverbands Bitkom sowie ­Vorstands­vorsitzender der DATEV eG und ist als nächster Präsident des BDI nominiert Prof. Dieter Kempf war langjähriger ­Vorstandsvorsitzender von DsiN, Präsident des ­Branchenverbands Bitkom sowie ­Vorstands­vorsitzender der DATEV eG und ist als nächster Präsident des BDI nominiert © Xenia Fink

IT-Wissen raus aus der Nische

Betrachtet man einen Teilbereich digitaler Kompetenz, nämlich das Wissen um IT-Sicherheitsthemen – genauer: das Wissen um IT-Sicherheit in den Bereichen Sicherheit des IT-Betriebes, Sicherheit digitaler Daten und Schutz personenbezogener Daten –, so wird das Ergebnis eher noch schlechter. Nach einer Untersuchung des Comma Security Institutes aus dem Jahr 2015 war lediglich an 17 von 64 Hochschulen ein Lehrstuhl oder eine auf IT-Sicherheit spezialisierte Professur eingerichtet und nur an fünf Hochschulen gab es spezialisierte Studiengänge für IT- und Cybersicherheit.

In einer immer stärker vernetzten Gesellschaft ist aber gerade der sichere Betrieb digitaler Systeme unabdingbar. Denn wie verwundbar schlecht geschützte Systeme sind, hat nicht zuletzt der „Erfolg“ des Locky-Virus in der ersten Jahreshälfte 2016 gezeigt, dem unter anderem auch Krankenhäuser zum Opfer fielen. Was aktuell offenbar nur die Verwaltungssysteme von Krankenhäusern betroffen hat, mag man sich bei telemedizinischen Anwendungen als Fehlerquelle sicherlich gar nicht erst vorstellen.

 

Aufklärungsarbeit ist angesagt!

Das Wissen um IT-Sicherheit darf jedoch nicht nur eine Art „Vorbehaltsaufgabe“ von Spezialisten sein. Die Durchdringung unseres Alltags mit unterschiedlichsten Formen der Nutzung von IT und elektronischer Kommunikation macht es unabdingbar, dass auch jeder Nutzer über Basiswissen auf diesem Gebiet verfügt. Aufklärungsarbeit ist also angesagt! Der Verein Deutschland sicher im Netz hat sich genau diese Aufklärung seit seiner Gründung im Jahr 2006 zur Kernaufgabe gemacht. Dabei reichen die Aktivitäten von der Anleitung der Verbraucher bei der Gestaltung eines sicheren Passwortes über Hinweise zur vertraulichen E-Mail-Kommunikation bis zu aktuellen Meldungen der Sicherheitsbarometer-App (SiBa) über Risiken und Bedrohungen im Netz.

Eine erfolgreiche Transformation in die digitale Welt der Zukunft wird nur gelingen, wenn wir gemeinsam an der Aufgabe arbeiten, alle Wirtschaftsteilnehmer auf diese Veränderungen vorzubereiten. Dabei gilt es durch Aufklärung die Voraussetzungen für jeden Einzelnen zu schaffen, selbstbestimmt über seine Nutzung neuer Technologien zu entscheiden und selbstbewusst aus dem Angebot leistungsfä­higer und vertrauenswürdiger Partner zu wählen. Auch das ist digitale Souveränität!


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