„Wo liegt das Problem?“

Eigentlich ganz einfach, dieses Internet. Wie komplex die Technik dahinter ist, merken User oft erst bei Problemen. Dann brauchen Unternehmen wie Verbraucher vor allem Problemlöser, die sie verschonen mit technischer Komplexität.

Wie können Aufklärungsmaßnahmen das Bewusstsein für IT-Sicherheitsfragen steigern?

Kah-Kin Ho, Senior Director Public Sector bei FireEye

Chief Information Security Officers fällt es oft schwer, der Geschäftsleitung die Brisanz von IT-Sicherheit zu vermitteln – aufgrund ihres vorwiegend technischen Hintergrunds sprechen sie selten dieselbe Sprache. Wenn sie etwa erzählen, was sie im letzten Monat gemacht haben – bei uns wurden unter anderem 423.132 Viren entdeckt und mehr als zwei Millionen Verbindungen blockiert, reagiert der Vorstand meist nach dem Schema: „Eindrucksvoll, na und?” Sinnvoller ist ein anderer Ansatz. Letztens haben wir zwei Angriffe erkannt und abgewehrt, die von kriminellen Vereinigungen in Osteuropa ausgingen. So konnten wir Umsatzeinbußen und Kosten in Höhe von etwa 70 Millionen Euro verhindern und vereiteln, dass Kreditkartendaten von 10 Millionen Kunden gestohlen wurden. Das ist eine Aussage, mit der Vorstände oder Geschäftsführer etwas anfangen können: Ausgaben in IT-Sicherheit lohnen sich.

Kah-Kin Ho ist Senior Director Public Sector bei FireEye Kah-Kin Ho ist Senior Director Public Sector bei FireEye © Xenia Fink

Martin Drechsler, Geschäftsführer der FSM – Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V.

Wir alle wollen ein Höchstmaß an Sicherheit, sind aber oft nicht bereit, viel dafür zu tun. Informationen über IT-Sicherheit müssen uns fast aufgezwungen und in leicht verdaulichen Häppchen serviert werden. Dabei sollte auf die jeweiligen Bedürfnisse eingegangen werden, und die sind bei Unternehmen anders als bei Familien mit Kindern. Familien brauchen Hinweise auf gute und sichere Angebote und Produkte, damit sie die für sich beste Entscheidung treffen können. Aus Nutzersicht sollten Informationen ansprechend und vor allem verständlich sein. Es ist nicht immer nötig, alle Informationen zu einem Thema gebündelt zu erfahren. Wichtiger sind Hinweise, die sich auf konkrete Situationen beziehen. Die Nutzerfreundlichkeit sollte immer im Vordergrund stehen. Deshalb wäre eine zentrale Anlaufstelle ideal, bei der Nutzer zuverlässig alle für sie notwendigen Informationen finden. Die zweitbeste Option: die bestehenden Plattformen noch besser untereinander zu verlinken.

Martin Drechsler ist Geschäftsführer der FSM – Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. Martin Drechsler ist Geschäftsführer der FSM – Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. © Xenia Fink

Prof. Dr. Sachar Paulus, Experte für IT-Sicherheit an der Hochschule Mannheim und im Beirat von Deutschland sicher im Netz e.V.

Gerade im Umfeld der IT-Sicherheit herrscht viel Aufklärungs- und Abstimmungsbedarf, entsprechend viele Vereine und Organisationen gibt es hierfür. Würde sich die Durchschlagskraft erhöhen, wenn gleichartige Initiativen gebündelt würden? Nein. Ich denke, die Vielfalt ist für einen angemessenen Umgang mit der IT-Sicherheit förderlich. Natürlich muss klar sein, welche Organisation wofür steht, wer Partner der Politik ist und wer als Interessenvertreter der Wirtschaft wahrgenommen wird. Gerade Mittelständler haben besondere Fragen, denn sie sind besonders exponiert: Sie sind ebenso interessant für Cyberangreifer wie Großunternehmen, haben aber deutlich weniger Möglichkeiten, sich angemessen vorzubereiten. Drei wirksame Ansatzpunkte sehe ich: einen Beauftragten für IT-Sicherheit, eine Risikoanalyse mithilfe eines externen Experten und möglichst aktuelle Betriebssysteme und Anwendungen.

Prof. Dr. Sachar Paulus ist Experte für IT-Sicherheit an der Hochschule Mannheim und im Beirat von Deutschland sicher im Netz e.V. Prof. Dr. Sachar Paulus ist Experte für IT-Sicherheit an der Hochschule Mannheim und im Beirat von Deutschland sicher im Netz e.V. © Xenia Fink

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