Früh übt sich IT-Sicherheit in der Berufsschulbildung verankern

„Es macht Freude, in einem vom Sturm gepeitschten Schiff zu sein, wenn man sicher ist, dass es nicht untergehen wird“, stellte einst der französische Mathematiker und Physiker Blaise Pascal fest. Übertragen auf unsere IT-geprägte Zeit könnte man sagen: Man hat viel mehr Spaß im Internet, wenn man weiß, wie man sich in seinem privaten wie beruflichen Umfeld vor Datenklau, Viren, Spam, Phishing und anderen negativen Begleiterscheinungen der Digitalisierung schützen kann. Um seine Informationshoheit zu bewahren und nicht in den Stürmen des Netzes unterzugehen, sollte man deshalb bereits frühzeitig eine grundlegende Sensibilität und vor allem Handlungskompetenz in Sachen IT-Sicherheit vermittelt bekommen.

Als Pilotschule führte die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule (gewerbliches Schulzentrum des Zollernalbkreises) das Projekt „Bottum-Up: Berufsschüler für IT-Sicherheit“ von Deutschland sicher im Netz durch, bei dem die Jugendlichen einen selbstverständlichen Umgang mit Smartphone und Computer zeigten. Defizite kamen jedoch deutlich zum Vorschein bei sicherheitsrelevanten Aspekten, die teilweise absolutes Neuland für die Schülerinnen und Schüler darstellten.

Diese Lücken lassen sich nur mit einem innovativen System an Bildungs- und Aufklärungsarbeit beseitigen. Beginnend in der Primarstufe muss Grundlagenwissen über IT-Sicherheit vermittelt werden. Die Kinder entwickeln sich in dieser Phase bereits sehr früh zu Multiplikatoren, welche die Informationen sowie die Bedeutung des digitalen Wandels in die eigenen Familien tragen. Darauf aufbauend und anschließend müssen die Schultypen der Sekundarbildung die Thematik nahtlos aufnehmen und weiterführen.

OStD Eugen Straubinger ist Bundesvorsitzender des Bundesverbands der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V. (BLBS), Schulleiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen und im Beirat von Deutschland sicher im Netz e.V. OStD Eugen Straubinger ist Bundesvorsitzender des Bundesverbands der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V. (BLBS), Schulleiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen und im Beirat von Deutschland sicher im Netz e.V. © Xenia Fink
In einem Sturm von IT-Bedrohungen navigieren mit dem Bewusstsein, dass das eigene 'Schiff' weitestgehend sicher ist und man nicht untergehen wird.

Die beruflichen Schulen werden zukünftig eine besondere Schlüsselposition bei der Vermittlung von sicherheitsrelevanten IT-Aspekten einnehmen. An den beruflichen Schulen besteht die einmalige Chance, die künftigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit einem praxisnahen IT-Sicherheitswissen auszustatten. Diese Schulart befähigt die Schülerinnen und Schüler mit der Stärkung des digitalen Selbstvertrauens, das Wissen in den Betrieben einzusetzen und als Multiplikatoren weiterzugeben.

Die Studie „DsiN-Sicherheitsmonitor Mittelstand 2016“ identifizierte eindeutige Trends und auch Schwachstellen der Digitalisierung bei mittelständischen Unternehmen. Einerseits steigt die Nutzung von Firmennetzwerken und Social Media in den KMU kontinuierlich, andererseits ergreift eine Vielzahl dieser Unternehmen keinerlei Schutzvorkehrungen oder Absicherungen gegen Fremdzugriffe oder andere Bedrohungen aus dem World Wide Web. In Teilbereichen konnte die Studie sogar Stagnationen bzw. Rückläufigkeit bei Vorkehrungen der IT-Sicherheit in Unternehmen belegen.

Der hier dokumentierten Diskrepanz muss mit Nachdruck entgegengewirkt werden, indem Unternehmen, Politik, Schulen und Verbände besser zusammenarbeiten. Die Möglichkeiten und die absolute Notwendigkeit des Datenschutzes müssen letztendlich in einem ausgeprägten Maße in die entsprechenden Lehrpläne der verschiedenen Bildungsgänge Eingang finden.

BOTTOM-UP

Im Projekt „Bottom-Up: Berufsschüler für IT-Sicherheit“ werden künftige Mitarbeiter von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in ihrer dualen Ausbildung zu IT-Sicherheitsfragen geschult. Sie erhalten praxisnahes IT-Sicherheitswissen und werden sensibilisiert, das Wissen in den Betrieben einzusetzen und weiterzugeben – für mehr IT-Sicherheit und den Schutz von Daten in KMU. Das Projekt erfolgt mit Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums.

www.dsin-berufsschulen.de

Nur wenn Vorkehrungen für die IT-Sicherheit mit der schnell voranschreitenden Digitalisierung schritthalten können, ist eine Wachstums- und Wettbewerbsfähigkeit der KMU nachhaltig möglich.

Durch das Zusammenspiel der verschiedensten Maßnahmen (mit besonderer Ausprägung in der Schulbildung) kann zukünftig sichergestellt werden, dass es im privaten und beruflichen Umfeld Spaß und Freude bereitet, in einem Sturm von IT-Bedrohungen zu navigieren und das mit dem Bewusstsein, dass das eigene „Schiff“ weitestgehend sicher ist und man nicht untergehen wird.

„Die Digitale Revolution und die Zukunft der Bildung“ – schauen Sie sich den zukunftsweisenden Vortrag des Philosophen und Publizisten Richard David Precht zum 10-jährigen Jubiläum von DsiN an.

www.10jahre.dsin.de


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