Unsichere Schule 2.0? Digitale Sicherheit als ­Bildungsherausforderung

Die Nutzung neuer digitaler Medien nimmt ­unaufhaltsam Einfluss auf alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens: Der Begriff der digitalisierten Netzwerkgesellschaft beschreibt eindrücklich die damit verbundenen Veränderungen von Kultur, Wirtschaft, Institutionen und des zivilgesellschaftlichen Lebens. Neue Technologien wie das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz oder Augmented Reality zeigen dabei völlig neue Möglichkeiten auf, die Prozesse der Enthierarchisierung, Globalisierung und Hybridisierung von Räumen weiter vorantreiben werden. Das eröffnet uns viele Chancen, ist aber auch mit Unsicherheiten und Herausforderungen verbunden.

Der Begriff der Sicherheit beschreibt in diesem Zusammenhang nicht nur die Nutzung technischer Maßnahmen zum Schutz vor Cyber­angriffen oder die Sensibilisierung für die Preisgabe persönlicher Daten, sondern wird ergänzt durch ein individuelles Gefühl, das vor allem auf persönlichen Dispositionen und Einstellungen sowie den eigenen Nutzungspräferenzen und -fähigkeiten beruht (siehe hierzu DsiN-­Sicherheitsindex 2016). Umso wichtiger ist eine ganzheitliche Thematisierung von Sicherheit im digitalen Raum, die bereits mit der ersten Nutzung von Angeboten beginnen sollte.

IT-Sicherheit fängt in der Schule an

Der Lernraum Schule nimmt bezüglich Sicherheitsaspekten und Herausforderungen digitaler Medien eine zentrale Rolle ein. Gerade weil digitale Medien eine fundamentale Bedeutung in der Sozialisation von Kindern und Jugend­lichen haben und zudem alle gesellschaft­lichen Bereiche durchdringen, muss sie die Schule sowohl auf einer inhaltlichen als auch auf einer methodisch-didaktischen Ebene einbinden und diskutieren. Dies erfordert jedoch eine ganzheitliche Betrachtung von kindlichen und jugendlichen Nutzungspräferenzen. Es ist daher wenig hilfreich, stets nur mit einem erhobenen Zeigefinger und dem Aufmalen digitaler Schreckensszenarien Schüler*innen sensibilisieren zu wollen.

Ganz im Gegenteil: Zunehmend fühlen sich Jugendliche in der Schule bezüglich digitaler Medien nur wenig ernst genommen und erwarten neben einer Fokussierung auf Sicherheitsaspekte ebenso Anreize und Begleitung bei einer produktiven und partizipationsorientierten Mediennutzung (siehe hierzu SINUS-Jugendstudie 2016). Gleichzeitig zeigen gerade aktuelle ­Thematiken wie z. B. Hate Speech, Vorratsdatenspeicherung oder ­Algorithmen völlig neue Diskussionslinien und Dispute auf, die die Autorität und den Wissensvorsprung der Erwachsenenwelt in Fragen eines sicheren und kom­petenten Umgangs mit digitalen Medien erschüttern. Jugendliche nehmen digitales Fehlverhalten und Konflikte sehr wohl wahr und ­suchen nach persönlichen Formen des Umgangs, aber auch der Ab­grenzung.

Martin Drechsler ist Geschäftsführer der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienste­anbieter e.V. (FSM) und im Vorstand von Deutschland sicher im Netz e.V. Martin Drechsler ist Geschäftsführer der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienste­anbieter e.V. (FSM) und im Vorstand von Deutschland sicher im Netz e.V. © Xenia Fink

Kritische und Praxisnahe Medienbildung ist unverzichtbar

Es zeigt sich also, dass die Sensibilisierung für das sichere Handeln im digitalen Raum aus ­einem Zusammenspiel von handlungsorien­tierter Medienbildung – die Reflexion, Kritik, tech­nische ­Kompetenzen und gestalterische Fähig­keiten umfasst –, einem vertiefenden tech­nischen Wissen und einem Diskussionsprozess um gesellschaftliche Werte und Normen be­stehen muss. Dabei geht es, insbesondere vor dem Hintergrund eines intelligenten Risiko­managements, darum, Jugendlichen Befähigungs- und Bewältigungs­strategien zu vermitteln, damit sie auch für zukünftige, heute noch nicht einmal abseh­bare Herausforderungen ­gewappnet sind.

Dass dies hohe Anforderungen an den Lernraum Schule stellt, scheint klar. Auch deshalb ist neben einer Im­plementierung in Schulprogrammen, Rahmenlehrplänen, Aus-, Fort- und Weiterbildungen, geeigneten Materialien und tech­nischen Voraus­setzungen die Öffnung des Lernraums Schule für außerschulische Bildungsinstitutionen, NGOs und Initiativen sinnvoll. Sie können ein Innovationsmotor sein und Fachwissen sowie sozial- und medienpädagogische Vermittlungsansätze mitbringen und Schulen intensiv beraten. Das Projekt „Medien in die Schule“ (www.medien-in-die-schule.de) der Partner FSM, FSF, Google Deutschland und der Unterstützer DsiN, Telefonica Deutschland, Auerbachstiftung, Amadeu Antonio Stiftung und der Technologiestiftung Berlin zeigt zahlreiche Ansätze auf, wie Sicherheit im digitalen Raum sinnvoll und vor allem ohne Bevormundung prozess- und produktionsorientiert vermittelt werden kann.

Björn Schreiber ist Referent für Medienbildung der FSM Björn Schreiber ist Referent für Medienbildung der FSM © Xenia Fink

Im Bürgerforum 1 des DsiN-Jahreskongresses ­sprechen der Präsident des Berufsschullehrer­verbandes BLBS, OStD Eugen Straubinger, und MdB Saskia Esken gemeinsam mit Martin Drechsler und weiteren Experten über Verbraucherbildung durch Digitale Aufklärung 2.0.


X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier