„Passiert schon nichts!“

Ein Mann stürzt vom Hochhaus. Als er das dritte Stockwerk passiert, denkt er: „Puh, bis jetzt ist alles gut gegangen!“ Der makabre Witz transportiert eine lebensbejahende Botschaft: Bitte nicht warten, bis es zum Schlimmsten kommt. Ein guter Tipp, gerade für den Umgang mit IT-Sicherheit.

Warum kümmern sich Menschen und Unternehmen nicht um ihre eigenen Daten – oder oft erst dann, wenn es zu spät ist?

Dr. Frank Keller, Geschäftsführer PayPal Deutschland, Österreich und Schweiz

Der Gedanke „Bis jetzt ist noch nie etwas passiert“ trügt leider nicht selten im Zusammenhang mit IT-Sicherheit. Die jüngere Generation geht oft zu sorglos mit neuen Technologien um und auch ältere Menschen werden schnell zu einem leichten Ziel von Angreifern im Netz. Zwar wissen alle um die Gefahren, scheuen aber den damit verbundenen Aufwand – und beschäftigen sich erst damit, wenn es zu spät ist. Für Unternehmen, die im Netz agieren, heißt das: Sie müssen sichere Produkte und Dienstleistungen anbieten, die sich zugleich komfortabel nutzen lassen. Wenn sie beide Aspekte – ­­wirksamen Schutz und einfache Handhabung – miteinander kombinieren, gewinnen sie das Interesse der Verbraucher. Auch deshalb haben wir bei PayPal eines der komplexesten Betrugspräventionssysteme weltweit entwickelt. Es nimmt mit jeder Transaktion, die über unser System läuft, an Intelligenz zu – stets mit dem Ziel, Betrügern einen Schritt voraus zu sein.

Dr. Frank Keller, Geschäftsführer PayPal Deutschland, Österreich und Schweiz Dr. Frank Keller, Geschäftsführer PayPal Deutschland, Österreich und Schweiz © Xenia Fink

Dr. Ulrike Struwe, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit

„Wer sollte ausgerechnet an meinen Daten Interesse haben?” Diese Frage höre ich oft. Interesse am Schutz der eigenen Daten ist zwar vorhanden, aber die meisten Verbraucher wissen wenig über die Gefahren im Internet. Dasselbe gilt für die Schutzschilder wie Verschlüsselung, Antivirenprogramme oder Sicherheitskopien. Informationen darüber gibt es zwar zuhauf, doch befinden sich Verbraucher in einer Holschuld: Wer sucht, wird fündig. Wer nicht sucht, bleibt ungeschützt. Das betrifft die Jüngeren vor allem in sozialen Netzen und bei Ortungsdiensten, die Älteren im sicheren Umgang mit E-Mails, Einkäufen und Bankgeschäften über das Internet. Würde mit jedem Kauf eines Computers, Notebooks oder Smartphones ein DsiN-Handbuch – gedruckt und digital – ­ausgegeben, das praxisnah Risikoszenarien und die entsprechende Vorsorge darstellt, bekäme das Thema einen ganz anderen Stellenwert.

Dr. Ulrike Struwe, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit Dr. Ulrike Struwe, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit © Xenia Fink

Prof. Dr. Sachar Paulus, Experte für IT-Sicherheit, Hochschule Mannheim

Jedes Jahr unterrichte ich Internetsicherheit in Schulen. Begeisterung schwappt mir entgegen, wenn ich elektronische Geräte auspacke und neue, interaktive Spiele zeige. Wenn es dann um die Regeln geht, wie man sich sicher im Internet und in der Welt der Apps bewegt, hören mir die Kids kaum noch zu. Senioren interessiert eher, ob Online-Banking sicher ist, wie sie eine Reise im Internet sicher buchen oder wie man sich gegen Online-Betrüger wehrt. Auch hier gilt: Bei den Regeln zum sicheren Verhalten hört kaum noch jemand zu. Dafür gibt es eine psychologische Erklärung: Das Erläutern von technischen Sachverhalten wird wohlwollend aufgenommen, das Vermitteln von Regeln und Verhaltensweisen hingegen eher als bevormundend verstanden. Als Eingriff in die persönliche Freiheit werden sie abgelehnt. Tipps sind erwünscht – aber nur, solange sie als Vorschlag und Alternative daherkommen.

Prof. Dr. Sachar Paulus, Experte für IT-Sicherheit, Hochschule Mannheim Prof. Dr. Sachar Paulus, Experte für IT-Sicherheit, Hochschule Mannheim © Xenia Fink

Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy bei Facebook Deutschland

Das „Netz“ ist ständig in Bewegung. Das sorgt für ständig neue Herausforderungen – für Staat, Gesellschaft und Unternehmen. Allem voran steht der Schutz von Nutzerdaten, für die digitale Konzerne wie Facebook eine besondere Verantwortung tragen. Für uns ist eine globale Sicherheitsstrategie unerlässlich, und die schließt modernste Server ebenso ein wie Experten, die potenzielle Sicherheitslücken aufspüren. Gleichzeitig brauchen Menschen die Kontrolle über ihre eigenen Daten. Deshalb kann bei Facebook jeder Nutzer individuell entscheiden, wer einen bestimmten Post sehen darf. Doch unser Engagement geht darüber hinaus: Wir vermitteln den Menschen, welche Einflussmöglichkeiten auf ihre eigene Privatsphäre sie haben und wie sie Kontrolle über darüber bekommen. Denn ein souveräner Umgang mit den eigenen Daten und ein Grundwissen über Sicherheit im Netz sind heute unerlässlich.

Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy bei Facebook Deutschland Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy bei Facebook Deutschland © Xenia Fink

Peter-Michael Seiler, Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern

„Fit am Computer – auch im Alter“ heißen die Seminare, die ich als „Seniorentrainer“ seit einiger Zeit gebe. Dabei stelle ich fest, dass es den Menschen gerade in der Altersgruppe 60plus wichtig ist, möglichst sicher im Internet unterwegs zu sein. Es kommen entsprechende Fragen, und meine Antworten werden beherzigt. Das Bewusstsein bei den Älteren ist eindeutig vorhanden, anders als bei vielen jüngeren Menschen, die Sicherheitsfragen oft gleichgültig gegenüber stehen. Es mangelt an fachgerechter Wissensvermittlung – die meisten haben sich ihre Kenntnisse über das Internet ja autodidaktisch beigebracht. Das muss sich ändern. Es muss uns gelingen, auf allen Bildungswegen mit Hilfe von Medienpädagogen und digitalen Lern- und Lehrmethoden das Wissen um die Sicherheit im Internet zu verbessern.

Peter-Michael Seiler, Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern Peter-Michael Seiler, Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern © Xenia Fink

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