One size doesn’t fit all! Verbraucher sind verschieden, deshalb gelingt Aufklärung nur, wenn sie an individuelle Bedürfnisse angepasst ist.

Zehn Jahre können in der Geschichte eines Vereins eine kurze oder eine lange Zeit sein. Für die großen Fußballvereine sind sie eher eine kurze Zeit, denn sie wurden meist um 1900 gegründet und sind damit über hundert Jahre alt. Für einen Verein, der sich mit der Sicherheit im Internet befasst, sind im Zeitalter der Digitalisierung dagegen schon zehn Jahre eine lange Zeit. Erinnern wir uns an das Jahr 2006: In jenem Jahr wurde Twitter gegründet und MySpace war mit gerade einmal 75 Millionen Nutzern das größte soziale Netzwerk; Facebook fing an, den Hochschul-Campus zu verlassen und Handys wurden ausschließlich zum Telefonieren genutzt, denn Smartphones gab es noch nicht. Trotzdem – auch damals hat Sicherheit im Internet schon viele Menschen bewegt. Deshalb war die Gründung des Vereins Deutschland sicher im Netz im Jahr 2006 ein richtiger Schritt. Seither ist DsiN immer auf der Höhe der Zeit und hat Verbraucherinnen und Verbraucher zuverlässig bei Sicherheitsfragen im Internet unterstützt. Dafür danke ich dem Verein und seinem Team und deshalb gratuliere ich herzlich zu diesem Jubiläum.

Was mir an der Arbeit von Deutschland sicher im Netz besonders gefällt, ist der klare Blick für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ansprüche der Verbraucher. Dies spiegelt sich im DsiN-Sicherheitsindex wider, wo zwischen vier Verbrauchertypen unterschieden wird: Der „außenstehende Nutzer“ kennt sich mit den Schutzmaßnahmen nicht so gut aus, ist häufig älter und in der Mehrzahl weiblich. Der „gutgläubige Nutzer“ hat wenig Gespür für die Gefahr und ergreift deshalb keine Schutzmaßnahmen. Der „fatalistische Nutzer“ ist meist jünger, fühlt sich zwar bedroht, aber unterlässt Schutzmaßnahmen, obwohl er sie kennt. Der „souveräne Nutzer“ schließlich ist das Ideal: Er kennt sich mit Schutzmaßnahmen gut aus und wendet diese auch an.

Ich sehe hier deutliche Parallelen zum Ansatz der Bundesregierung, der Verbraucherpolitik ein differenziertes und damit realistisches Verbraucherleitbild zugrunde zu legen. Statt das Ideal eines mündigen Verbrauchers zu beschwören, akzeptieren wir, dass Menschen verschieden sind und in unterschiedlichen Situationen verschieden handeln. Verbraucherwissenschaftler differenzieren dementsprechend zwischen „verletzlichen“, „vertrauenden“ und „verantwortungsvollen“ Verbrauchern, wobei ein und dieselbe Person je nach Situation mal der einen und mal der anderen Kategorie angehören kann.

Aus dieser Verschiedenheit ergeben sich Kon­sequenzen für eine moderne Verbraucherpolitik: Wenn Verbraucher besonders verletzlich sind, weil es ihnen etwa an Sachkunde oder Erfahrungen fehlt oder weil es um sehr schwierige Materien oder weitreichende Entscheidungen geht, dann brauchen wir passgenaue Informationen. Deshalb orientieren sich die Informationsprojekte unseres Ministeriums an der Situation der Verbraucherinnen und Verbraucher; deshalb haben wir differenzierte Angebote, zum Beispiel zugunsten von Älteren, Migranten und Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen.

Heiko Maas ist Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas ist Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz © Xenia Fink

Für einen ­Verein, der sich mit der Sicherheit im ­Internet befasst, sind im Zeitalter der Digitalisierung zehn Jahre eine lange Zeit.

Auch Deutschland sicher im Netz unterscheidet bei seiner Aufklärungsarbeit nach Nutzergruppen. Die Angebotspalette ist breit und reicht von Informationsmaterialien und Tutorials über Wissenschecks, das Sicherheitsbarometer als App bis hin zu Wettbewerben für verschiedene Altersgruppen. Besonders hervorheben möchte ich den Digital-Kompass, den DsiN gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) betreibt, um Seniorinnen und Senioren bei der aktiven und sicheren Teilhabe am Internet zu unterstützen. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer erhalten Lehr- und Übungsmaterialien, Präsentationsvorlagen und die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten deutschlandweit auszutauschen. Experten berichten ihnen aus erster Hand zu aktuellen Themen rund ums Internet. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ­för­dert dieses Projekt, und Staatssekretär Gerd Billen hat die Schirmherrschaft für den Seniorenwettbewerb „Der goldene Internetpreis“ übernommen.

Dies ist nur ein Beispiel für eine differenzierte, zielgruppenorientierte Aufklärungsarbeit. Es gibt viele weitere. Ich wünsche DsiN auch für die nächsten zehn Jahre eine erfolgreiche Aufklärungsarbeit und viele interessierte Nutzerinnen und Nutzer. Ich bin gespannt, welche Innovationen die Digitalwirtschaft bis zum Jahr 2026 noch für uns parat hat. Eines wird aber unverändert bleiben: Das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit im Netz. Deshalb bleibt die Arbeit von DsiN auch in Zukunft so wichtig!


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